Bericht von VfL 3 zur Trennung von Matthias Hölscher

Auch das Team der Dritten hat noch einmal einen Bericht bzgl. des Endes von Trainer Matthias Hölscher verfasst. Viel Spaß beim Lesen.

Eine Legende nimmt ihren Hut: Eine Ode an Matthias Hölscher

Ein letztes Bild mit seinem Team: Starcoach Hölscher dankte am vergangenen Sonntag ab

Ein letztes Bild mit seinem Team: Starcoach Hölscher dankte am vergangenen Sonntag ab

Was am 01.09.2013 mit einem spielfreien Wochenende begann, fand am 19.11.2017 nach viereinhalb Saisons sein (zumindest vorläufiges) Ende: Matthias Hölscher beendete seine unvergleichliche VfL3-Trainerkarriere. Voller Demut werfen wir einen Blick zurück auf die ereignisreichen Jahre unter unserem Starcoach „Hölle“.

Die Aufregung war damals groß im beschaulichen Ladbergen, als niemand Geringeres als der frühere Kreisliga C-Weltstar Matthias Hölscher das Ruder der dritten Mannschaft übernahm. Nach einer durchaus unbefriedigenden Vorsaison unter Tobias Ehmann, in der das internationale Geschäft mit einer Abschlussplatzierung auf Rang 10 deutlich verpasst wurde, reagierte der Verein und suchte mit Hölscher die ganz große Lösung. Als Spieler wurde „MH30“ bereits am 17.04.2011 über die Landesgrenzen hinaus bekannt, als er im Derby gegen Falke Saerbeck III in der Nachspielzeit den wichtigen 2:4 Anschlusstreffer markierte. Vor allem die trickreiche Spielweise des quirligen Mittelfeldmotors brachte die Ränge zu seiner aktiven Zeit zum Toben; der gefürchtete Jacek-Haken sei als Beispiel genannt. Und spätestens, als Hölscher zwischen dem 02.09.2012 und 09.09.2012 in einer partieübergreifenden Nettospielzeit von nur 78 Minuten zwei Treffer gelangen und er sein fussball.de-Karrieretrefferkonto auf den Endstand von 4 (in Worten: VIER) schrauben konnte, war jedem klar: Dieser Mann wird seinen Weg im bezahlten Profifußball gehen.

Umso erstaunlicher, dass Hölscher sich trotz wesentlich besser dotierter Angebote später bereit erklärte, die dritte Mannschaft des VfL Ladbergen zu übernehmen. „Eine Herzensangelegenheit“, wie Hölscher heute sagt. Die Bilder von der damaligen Verkündung sind bis heute unvergessen: Jubeltrauben, Autokorsos, Freudentränen, Glückseligkeit. Bilder, wie sie in der deutschen Geschichte bis heute wohl nur beim Mauerfall ein zweites Mal vorgekommen sind. Die Einführung des NRW-weiten Feiertags „Matthias Hölscher-Tag“ blieb der Bevölkerung damals lediglich verwehrt, weil die CDU bei der Landtagswahl 2013 in Niedersachsen satte 6,5% der Stimmen verlor. Die Absegnung eines weiteren NRW-Feiertags durch die Regierung in Berlin hätte wohl zum endgültigen Verlust des benachbarten Bundeslandes an die SPD geführt, zu groß ist der Frust über weniger Feiertage bei den Niedersachsen. Noch heute bekundet aber auch die Kanzlerin, Hölli-Fan der ersten Stunde gewesen zu sein.

Was nach Hölschers Amtsantritt folgte, war eine Erfolgsgeschichte, wie sie weltweit ihresgleichen sucht. Zu Beginn seiner ersten Saison 2013/2014 hieß es nach 5 Spielen: 15 Punkte bei einem Torverhältnis von 17:4 – ein frischer Wind wehte an der Königsbrücke, ein neuer Sheriff war in der Stadt. Die Mannschaft konnte damals den Schwung und die Euphorie des Trainerwechsels zwar nicht über die ganze Saison tragen, aber dennoch sprang zum Ende der Hinrunde der zweite Platz heraus. Man hatte ernsthaft an der Herbstmeisterschaft gekratzt. Den anderen Mannschaften blieb diese sportliche Entwicklung freilich nicht verborgen, und so verstärkten diese sich zur Rückrunde offenbar nochmals gehörig. Dem VfL war dies in der Winterpause von Höllis erster Amtszeit leider noch nicht möglich, da die Verpflichtung des neuen Starcoaches das Ladberger Gehaltsgefüge schon ordentlich aus den Angeln gehoben hatte. Am Ende der Saison stand der 4. Tabellenplatz, Europapokal. Ein beinahe irrwitziger Erfolg des Trainers, nachdem sein Vorgänger mit der nahezu identischen Mannschaft im Vorjahr auf Platz 10 herumgedümpelt hatte. Außerdem sprang Höllis erster Titel heraus: Platz 1 in der Fairnesstabelle, „Fairnessmeister“. Kein Wunder, denn auch die Fairness ist ein großes Markenzeichen des charmanten Edelmannes, wenn er nicht gerade die letzte Flasche Bier aus der Kiste nimmt und keine neue holt.

Mit den planbaren Einnahmen aus dem internationalen Geschäft konnte sich im Sommertransferfenster 2014 nun aber auch die Dritte für die kommende Saison verstärken. Von der damaligen Strahlkraft des Vereins mit Fußballphilosoph Hölscher an der Spitze kann ich selbst zeugen, denn auch ich folgte dem Ruf Hölschers zum VfL. Unter Matthias Hölscher trainieren, spielen, lernen – eine solche Chance erhält man nur einmal im Leben. Durch den Abstieg der zweiten Mannschaft musste man in der Saison 2014/2015 die gewohnten Gefilde der Kreisliga C3 verlassen und in der Gruppe C2 ran – gänzlich neues Terrain für Hölscher und seine Mannen. Davon unbeeindruckt gelang es Hölli aber, die Neuen erfolgreich zu integrieren und gleichzeitig die Ziele des Vereins und die Wünsche der Fans zu erfüllen: Erneut konnte man Platz 4 und damit die internationalen Ränge belegen.

Die Saison 15/16 lässt sich in ihrer Kuriosität kaum in Worte fassen. Es wurde viel ausprobiert, vielen mutigen Ansätzen nachgegangen. Das bis dato einzig wahre System mit Libero wurde um Taktiken mit Dreier- und Viererketten erweitert, in der Auswärtskiste tauchten plötzlich Getränke wie dieses „Radler“ auf, was keiner mag. Coach Hölli erfand den Fußball scheinbar neu und lieferte innovative taktische Konzepte, etwa das doppelte Besetzen des linken Flügels. Irrwitzigen Partien wie einem 14:5 Sieg gegen Bevergern folgten in dieser Spielzeit schmachvolle Niederlagen wie das 7:3 gegen Leeden-Ledde. Insgesamt gibt es viele Ansätze und Theorien, die versuchen, diese Saison mit all ihren Phänomenen rückwirkend zu erklären – aber das würde nun zu weit führen. Am Ende steht schwarz auf weiß: Platz 8, nicht abgestiegen, Fans und Verein halten dem Trainer die Treue, Schwamm drüber.

Es folgte die atemberaubende Saison 2016/2017, als man für lange Zeit oben mitspielte und zwischenzeitlich gar an der Meisterschaft schnupperte. Zum Ende der Spielrunde nahm Höllfried aber bewusst den Fuß vom Gas und damit etwas Fahrt aus der vielleicht etwas zu rasanten Entwicklung: Der Aufstieg kam aus Sicht des Fußballfachmanns noch ein Jahr zu früh. Ein mutiger, aber dennoch weitsichtiger Schritt im schnelllebigen Geschäft Profifußball, in dem aufstrebende Talente heutzutage oftmals viel zu früh verheizt werden. Unterm Strich war diese Saison mit einem Schnitt von annähernd 2 Punkten pro Partie die erfolgreichste Spielrunde des versierten Taktikfuchses.

Insgesamt kam Hölli in den vier voll gecoachten Spielzeiten von 2013/2014 bis 2016/2017 auf 154 Punkte in 90 Partien, was einen starken Punkteschnitt von 1,71 Punkten pro Spiel bedeutet. Wie sensationell dieses Ergebnis tatsächlich ist, wird ersichtlich, wenn man den Wert mit anderen Trainern vergleicht, die im gleichen Zeitraum aktiv waren und insgesamt mindestens 50 Spiele gecoacht haben. Nachfolgend die entsprechende Übersicht von transfermarkt.de:

PPS_trainer

Sie fragen sich nach dem Geheimnis hinter dem langjährigen Erfolg? Wie kann ein Trainer bei einem solchen Traditionsclub derart lange am Ruder sein, wo andere Vereine ihre Trainer wechseln wie ihre Unterwäsche? Ganz einfach: Matthias Hölscher ist ein Fußballbesessener. Ein Gewinnertyp, der dem Erfolg alles unterordnet. Das zeigen Fachkommentare wie: „Nie zuvor habe ich einen solchen Trainer getroffen. Hölscher atmet Fußball, 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr“ (Aki Watzke) oder „Was diese Matthias da an Linie macht, wie er mit Spieler anweist und wie gegen seine Taktik zu spiele – nicht mal ich habe verstanden“ (Pep Guardiola). Aber auch alltägliche Beispiele wie das Ansetzen eines unbedeutenden Testspiels am frühen Morgen nach der gemeinsamen – zugegebenermaßen leicht ausgearteten – Fahrradtour im Sommer 2015 zeugen von seiner Obsession. Damals fragte der Gegner bei der Begrüßung noch leicht spöttisch nach, ob man denn tatsächlich direkt vom Schützenfestzelt käme. Nicht zu Unrecht, denn das gegnerische Tor konnte ich aus der eigenen Hälfte heraus definitiv noch nicht wieder fehlerfrei erkennen. Natürlich haben wir die aber unter Hölles Führung trotzdem souverän 2:0 weggeklatscht, die Nasen. Ist doch klar.

Insgesamt liest sich Höllis Lebenswerk in Zahlen wie folgt:

Hölli_Leistungsnachweis

Die Pressekonferenz anlässlich des für die Öffentlichkeit doch sehr überraschenden Rücktritts lieferte indes auch Einblicke in die weiteren Lebenspläne des langjährigen Erfolgscoaches: Nach den rosigen Jahren beim VfL deutete Hölscher an, sein zukünftiges Leben als Privatier in vollen Zügen genießen zu wollen. Dabei werden sicherlich auch die Prämien der äußerst erfolgreichen Hallenturniere seiner Amtszeit helfen, denn neben den großen Pokalen wurden mit Hölschers ausgefeilten Taktikkonzepten für enge Räume von seinen Jungs auch regelmäßig – Insider sprechen von 3 bis 7 mal – Geldbeträge im niedrigen zweistelligen Bereich erspielt. Und außerdem eine Flasche Captain Morgan beim Cup des guten Hopfens – wahrlich gute Aussichten auf einen süßen Lebensabend für MH30.

Endgültig auf die Tränendrüse drückte die Pressekonferenz, als Höllfried sich mit Peter Maffays „Und wenn ich geh“ von der Mannschaft verabschiedete. Auch die anwesenden Stargäste konnten Ihre Tränen nicht weiter verstecken, als Hölli emotional ins Mikrofon schmetterte:

„Und wenn ich geh, geht nur ein Teil von mir
Und gehst du, bleibt Deine Wärme hier
Und wenn ich wein, dann weint nur ein Teil von mir
Und der andere lacht mit dir…“

Ein YouTube-Video des emotionalen Ständchens wurde indes von Finnland-Rocker Samu Haber kommentiert: „OH MY GOD! Einfach supersuper-class. Ich hätte auf jeden Fall gebuzzert. Bitte versuch es nächstes Jahr bei #TVOG!“. Auch über diesen Kommentar hinaus sorgte das Video im Netz innerhalb kürzester Zeit für Aufsehen:

PK_hölle

Was bleibt, sind lebhafte Erinnerungen an emotionale Kabinenansprachen, dedizierte Halbzeitanalysen, wütende Brandreden und innovative taktische Konzepte. Unterm Strich bleibt uns von der Mannschaft nur eines zu sagen:

DANKE, HÖLLI!

Danke für 102 gecoachte Pflichtspiele.

Danke für 167 Punkte.

Danke für 294 erzielte Tore unter deiner Regie.

Danke für die Flasche Wacholder auf der Weihnachtsfeier 2014.

Und vor allem: Danke für das Absägen von Manuel Schmedt als Kapitän.

 

Im Namen der gesamten Mannschaft,

Michael Brinkmeier
Vizekapitän VfL3

 

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